ENSHROUDED DATENBANK
| # | Eintrag |
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| 1 | Umgeben von Feiglingen und Geheimniskrämern Von allen Reichen unter dem sich endlos erstreckenden Himmel muss ich mich ausgerechnet mit dem wildesten davon herumplagen. Die Hälfte meines Herrschaftsgebiets ist von Ranken durchzogen; jede Wurzel und jeder Felsen widersetzt sich meinem Anspruch. Meine Männer sind zu feige, um wieder die Kontrolle über die alten Ruinen zu erlangen. Eine einzige Falle in einem feuchtem Grabmahl reicht aus, um sie wie Ungeziefer auseinanderschwirren zu lassen. Keiner von ihnen wagt es, den Hammer zu heben, um die Tempel zu Staub zu zermahlen, damit wieder Ordnung einkehren kann. Vielleicht ist es klüger, sich gen Osten zu wenden... Die Gipfel werden nicht von Erinnerungen heimgesucht. In der Zwischenzeit haben mich meine lieben Geschwister zum jährlichen Ball gerufen — eine lästige Scharade der Höflichkeit, die mich zwingt, meinen Thron unbewacht zu lassen. Erkennen sie die Gefahr denn nicht? Meine Grenzen sind die einzige Verteidigung gegen die hinterhältigen Betrüger-Götter! Vielleicht ist ihre Einladung nur eine weitere Falle, ein weiteres Grab, in welchem man ertrinkt...! ...ein törichter Gedanke. Mein Geist ist von Ranken umfesselt, erdückt von Paranoia. Ich werde hingehen, wie meine Pflicht es verlangt — und werde sie auffordern, Kriegsmaschinen statt "Refugien" zu bauen. Einer solchen wortlosen Horde Weisheit darbieten zu wollen... Wahrlich, meine Verwandten sind nachsichtig geworden, besessen von den Geheimnissen der Erbauer. Ich muss mich ausruhen. Vor Sonnenaufgang werde ich einen Reisenden empfangen, der sich in meinen Hof schlich. Er behauptet, er habe ein Geschenk aus dem Jenseits. Ich werde ihn anhören. Es wird abwechslungsreich sein. - Lord Vorgoth, Wächter des Nordens |
| 2 | Ein aufregender Abend Der Reisende kam an Tag 49 des Mittjahres, 492 Z.D., wie versprochen — begleitet von einem eisigen Wind. Als er meinen Thronsaal betrat, hinterließen seine Schritte einen düsteren Nebel. Sein Gesicht war verhüllt, um eine schreckliche Krankheit zu verbergen... eine Krankheit, die ich noch nie zuvor gesehen hatte. Sein Fleisch war blass und blau; seinem Gesicht fehlte die Symmetrie, als hätte er in den vergangenen Jahren einen Schlaganfall erlitten — oder als ward er nicht geboren, sondern aus dem Chaos geborgen. Was für ein erbärmliches Wesen. Seine mageren Hände umklammerten einen hellblauen Trank, der im Kerzenlicht schimmerte. Eine Waffe, nannte er es. Ein Geheimnis, welches die Erbauer vor uns verbargen. Mehr musste er nicht sagen. Ich wusste schon lange, dass diese Betrüger nur preisgaben, was ihnen beliebte. Ich griff nach dem Fläschchen und verleibte mir dessen geheimnisträchtige Tinktur ein. Staub begann am Rande meiner Sicht zu wirbeln. Nebel stieg um mich herum auf und umhüllte jeden Atemzug, den ich nahm... kroch in mich hinein, durchdrang mein Herz und meinen Schädel, bis er sich hinter meinen Augen niederließ. Er riss an mir, zog nach oben, zu meinen flatternden Augenlidern, bis meine Füße vom Palastteppich abhoben. Ich schwebte. Thronte über den Ruinen, über dem Ungeziefer, den Feiglingen und den Lügnern. Als ich wieder den vertrauten Boden unter mir spürte, lächelte der Reisende. Er hatte mir sowohl Mittel als auch Grund für einen Angriff gegeben. Meine Hände zittern noch immer, doch wenn ich meine Klinge fasse, vergeht das Beben. — Lord Vorgoth, Wächter des Nordens, Herrscher von Rimgard |
| 3 | Widerwillig nahm ich am Familientreffen teil Solch ein Zeitvertreib scheint trivial, wenn doch der Geschmack der Ewigkeit noch auf meiner Zunge tanzt... doch ich ging nicht ohne Plan und überzeugendes Argument. Bloß ein Tropfen des Elixiers versüßte seinen Wein. Mehr brauchte Gormander, der alte Narr, nicht, um seine Berater und Ingenieure herbeizurufen. Sie mögen ihn zunächst vor dem Bau des Elixierbrunnens warnen, aber ihre Worte werden schon bald verhallen. Jezmina hingegen konnte nur durch eine schnelle Rückhand zum Schweigen gebracht werden. Die Göre glaubt immer noch, dass die Erbauer einen guten Grund haben, diese Macht geheimzuhalten... Ein Bauherr wird die Brunnen errichten, selbst wenn sie nicht einwilligt. Ihr Jammern verwandelte sich in Schluchzen. Ich packte sie und zwang sie, die Wahrheit endlich zu erkennen. Die Erbauer haben uns das verheimlicht! Sie sind schlafende Schlangen, und alle außer mir sind zu ängstlich, um sie zu wecken! Feiglinge, allesamt! Ratten gegenüber lügenspeiender Drachen, sage ich euch! Es ist richtig, dass wir uns verteidigen. Grabt nur ein bisschen tiefer — Was liegt unter uns noch verborgen? Wird die Erde ihre Geheimnisse verraten, wenn wir ihre Zunge spalten, sie aufbrechen und bluten lassen? Ich vertraue nur dem Nebel unter der Kapuze des Reisenden, dem Zucken seines Schattens, dem Klaffen seiner hundert Münder Er kann uns aufsteigen lassen Kann uns schweben lassen Kann die Mäuse in Männer verwandeln - Lord Vorgoth, Wächter des Nordens |
| 4 | Heute traf ich den Elixier-Brunnen-Architekten Vielleicht ist "Architekt" ein zu grandioser Begriff — die Baupläne wurden schließlich vom Reisenden gefertigt. Die Ingenieure und Baumeister müssen sie lediglich umsetzen. Das monolithische Bauwerk ist zweigeteilt und erstreckt sich sowohl in Richtung der untergehenden Sonne als auch in die des schlafenden Erdkerns. Darüber thront eine Kronenform, die das Licht des abnehmenden Mondes in sich birgt. Sein Schatten ist so schwarz wie sein Stein. Von unten steigt der sagenumwobene Nebel auf. Die Arbeiter sehen ihn nicht oder geben dies zumindest vor. Als ich sie darauf aufmerksam machte, verstummten sie. Der "Architekt" stotterte vor sich hin, den Blick abgewandt... Sein gesenkter Kopf verriet ihn. Er hält mich für einen Verrückten. Mein Reisender trat von meiner rechten Seite hervor und durchbrach die Stille. "Ein bisschen Nebel ist zu erwarten. Er wird keinen Schaden anrichten. Im Gegenteil, wir sollten ihn willkommen heißen." Die Worte hallen in meinem Kopf nach. Wir sollten ihn willkommen heißen. Ja, vielleicht wird er uns leiten. Unsere Gedanken führen. Die zitternden Finger ruhen lassen. Meine Hände beben und hinterlassen Spuren. Spuren einer geisterhaften Silhouette, die nachhallt Ein Gespenst, das an sein eigenes Nachbild gekettet ist, und einen Sog, einen Wirbel, eine blass blaue Piourette dreht Mit zum Mond gezogenen Augenlidern Die Wahrheit von der Lüge unterscheidend, eine schwebende Spirale der Vergangenheit Der Gegenwart, der Zukunft, und der Ewigkeit Wir sollten ihn willkommen heißen — Lord Vorgoth, Wächter des Nordens, Herrscher von Rimgard |